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Toronto: Kanadas kleines New York am See
« am: 30. Juni 2014, 07:38:42 »
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Torontos Skyline wächst am Ufer des Lake Ontario immer mehr in die Höhe. Doch trotz aller Neubauten hat sich die Stadt ihre alten, faszinierenden Ecken voller Geschichten und Geister bewahrt.
"Nur über meine Leiche!", soll Gouverneur James Graves Simcoe gepoltert haben, als die Einwohner seine 1796 gegründete Stadt umbenennen wollten. Dass sich das kleine Kaff am Ontario- See den Namen York gegeben hatte, konnten die New Yorker nur müde belächeln – und tauften es abfällig "Little York" oder wegen der unbefestigten, schlammigen Straßen "Dirty York". Doch der Gouverneur ließ sich bis zu seinem Tod nicht erweichen. Erst dann war der Weg frei für Toronto.


"Dort, wo Bäume am Wasser wachsen" bedeutet der Name in der Sprache der Mohawk- Indianer, die am lauschigen Seeufer einen Treffpunkt hatten. Heute wachsen am Wasser riesige Hochhäuser in die Höhe, und es kommen ständig neue dazu. "Nirgendwo auf der Welt werden so viele Appartementhäuser gebaut wie zurzeit in Toronto", erzählt Tour- Guide Tim nicht ohne Stolz.

Schwindelerregende Aussicht
Gegen das Wahrzeichen der Stadt wirken jedoch auch die größten Wohntürme klein. In 553,33 Meter Höhe kratzt die Spitze des CN- Towers an den Wolken – und ist damit das zweithöchste freistehende Gebäude der Welt. Hier kann man sich auf dem Observation Deck einen guten Überblick über Kanadas wachsende Metropole verschaffen. Und wer schwindelfrei ist, wagt einen Blick vom Glas- Fußboden in die Tiefe – Sorgen um die Bruchsicherheit des Glases muss man sich keine machen, es würde zur Not 14 Nilpferde aushalten.

Der Blick fällt direkt auf Torontos jüngste Attraktion – das Ripley- Aquarium zu Füßen des Towers ist ein faszinierender Spaziergang durch die Welt der Meere. Gekrönt von einer Tunnelfahrt durch ein gigantisches Becken voller Rochen, Haie und viele mehr.

Nicht weit von hier liegt ein ganz anderes Haifischbecken – der Financial District mit all seinen Banken. Vor allem die Bank of Canada trägt den Reichtum zur Schau – golden strahlt die Fassade im Sonnenschein. "Hier wurde wirklich echtes Gold verarbeitet", verrät Tim. "Es soll besonders gut für das interne Klima sein." Ein bisschen Gold hat dem Klima ja noch nie geschadet.

Schauderhafte Geschichten
Die alten Ecken im modernen Downtown spüren wir spätabends mit Margot auf. In einem schwarzen Cape und mit einer leuchtenden Laterne heißt sie uns zur "Haunted Walking"- Tour willkommen – und beschwört sodann die Geister der Stadt in ihren Geschichten herauf. Und davon gibt es richtig viele. Wie zum Beispiel im einstigen Haus des ersten Bürgermeisters William Lyon Mackenzie. Dort quartierte sich nicht nur der Hausherr persönlich dauerhaft ein, sondern auch eine "etwas problematische Frau", wie Margot erzählt.

Des Nächtens schwebte ihr Geist über dem Bett des Hausmeister- Ehepaars, das die historische Stätte betreute. Als die Hausmeisterin versuchte, die Erscheinung zu berühren, verpasste ihr diese kurzerhand ein blaues Auge. Das Paar flüchtete tags darauf aus dem Haus. Und die schlagkräftige Lady fand Eingang in ein Staatsdokument – in der offiziellen Inventarliste des kleinen Museums ist ein Geist aufgelistet.

In der berühmten Hockey Hall Of Fame wahrt man übrigens auch nicht nur das Andenken an die großen Meister auf dem Eis, in den Gängen der Halle sind schon viele auf den Geist einer geschmähten Geliebten gestoßen, die sich selbst ein Ende setzte.


Brodelndes Nachtleben
Wer sich nach so vielen Schauergeschichten wieder aufmuntern möchte, der stürzt sich ins brodelnde Nachtleben im Entertainment District. Hier reiht sich ein Club an den anderen. "Die Clubdichte ist die höchste Nordamerikas", schwärmt Tim. "Größer noch als in New York." Den Vergleich mit dem Big Apple muss Toronto nicht mehr scheuen. Da wie dort locken eine lebendige Theaterszene (mit dem Dundas Square hat Toronto seinen eigenen, wenn auch kleineren Times Square) und spannende Museen.

Die multikulturelle Vielfalt ergibt in beiden Städten einen aufregenden Mix. Vor allem im Viertel Kensington Market reihen sich Geschäfte und Restaurants aus aller Welt aneinander, und auch die Blumenkinder von einst haben hier ein buntes Zuhause gefunden. Toronto hat sogar ein Flatiron Building – und wer hätte das gedacht: Der spitze Bau wurde hier bereits zehn Jahre vor dem berühmten New Yorker Pendant errichtet!

Bier und royale Gemächer
Vor allem zur Zeit der Prohibition hatte Toronto die Nase vorn. Da wurde im Distillery District ordentlich Schnaps gebrannt, der zum großen Teil in die Clubs von New York geschmuggelt wurde. Heute haben sich in der alten Schnapsfabrik kleine Boutiquen und Restaurants angesiedelt. "Keine Ketten, Starbucks und H&M dürfen sich hier nicht einmieten", weiß Tim. Er trinkt, wie die meisten seiner Landsleute, lieber Bier als Schnaps – am besten aus einer der vielen Microbreweries.

Wer sich nach einem langen Stadtbummel standesgemäß ausschlafen möchte, kann dies in der Queen- Suite im traditionsreichen Fairmont Royal York Hotel tun. Aber Achtung: Trotz des stolzen Preises von fast 1.500 Euro pro Nacht kann Ihnen hier der Rausschmiss drohen. Wenn ein Mitglied der königlichen Familie anreist, müssen Sie die Suite räumen. Das gäbe es in New York wohl nicht…




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