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GoEast-Filmfestival: Türen nach Russland offen halten
« am: 26. April 2015, 09:49:52 »
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Das goEast-Festival des mittel- und osteuropäischen Films, das bis zum 28. April in Wiesbaden läuft, steht im Schatten der Ukraine-Krise.
„Wir versuchen, auf die zugenommenen Spannungen zwischen dem Westen und dem Osten zu reagieren“, sagte die Festivalleiterin Gaby Babic im Interview mit Nikolaj Jolkin. „Wir wollen die Türen für den kulturellen Dialog offen halten, besonders nach Russland. Im Moment besteht die Gefahr, dass die Berichterstattung über Russland aus westlicher Perspektive zu einseitig gerät. Und wir wollen mit unserem Filmfestival ein vielstimmiges Bild zeichnen. Was aber nicht bedeutet, dass wir uns auch mit Menschen solidarisieren, wie beispielsweise der ukrainische Filmregisseur Oleg Senzow, der in Moskau in Untersuchungshaft einsitzt.“

Ihm wird vorgeworfen, Terrorakte gegen russische Einrichtungen und Infrastrukturobjekte auf der Krim geplant zu haben und in Verbindung mit der rechtsextremen ukrainischen Organisation “Rechter Sektor” zu stehen, die in Russland als eine Terrorganisation gilt.

„Die zentrale Aufgabe des Filmfestivals“, führt Gaby Babic weiter aus, „ist erst einmal, dem Publikum in Deutschland, das sich relativ wenig mit ost- und mitteleuropäischem Kino beschäftigt, die Möglichkeit zu geben, Filme aus diesen Ländern zu sehen.“ Sie macht auf die zwei russischen Beiträge aufmerksam, die im Wettbewerb gezeigt werden: auf Andrej Kontschalowskis Film „Die weißen Nächte des Postboten“, der letztes Jahr in Venedig erfolgreich war. Er feiert am 26. April die Deutschlandpremiere. Auch „Engel der Revolution“ von Alexej Fedortschenko lief als Deutschlandpremiere am 24. April.

„Kontschalowski gelingt es, mit Laiendarstellerinnen und Darstellern und mit dokumentarischen Mitteln einen sehr faszinierenden philosophischen Spielfilm abzuliefern“, meint Gaby Babic. „Was ich einerseits von der Kameraarbeit her und mit den Naturaufnahmen sowie der wunderschönen Szenerie sehr beeindruckend finde. Dann ist es auch vom Schauspiel der Laien her faszinierend. Und auch, dass er den Blick auf die kleinen Leute in einem abgelegenen Ort wirft, aber eine ganz große Geschichte daraus macht – filmisch, kinematografisch groß.“ Die Festivalleiterin betrachtet Alexej Fedortschenko als einen faszinierenden Regisseur, der eine ganz eigene Bilderwelt erschafft. „Durch die Kostüme und die Settings, die er wählt, wirkt es sehr eigen und grandios. In dem Fall ist es die Geschichte von den Nachwehen der russischen Revolution. Menschen haben den Auftrag, die Lehren des Kommunismus und Leninismus den Naturvölkern in entlegenen Orten nahezubringen. Sie sind Kämpferinnen der Sowjetunion. Das inszeniert er sehr gekonnt. Es geht zum einen um die russische Geschichte, und zum anderen ist es auch ein Weg, dem Publikum in Deutschland einiges an sowjet-russischer Geschichte näher zu bringen.“

Dieses Jahr gibt es in Wiesbaden auch mehrere Beiträge aus der Ukraine. „Wir haben drei kurze Dokumentarfilme, jeweils ungefähr 30 Minuten lang, in einer Trilogie unter dem Titel,Ukraine November 2014‘ zusammengefasst. Drei Geschichten, die sich mit dem Krieg in der Ukraine aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln befassen. Die Autoren sind junge Menschen, die als Journalisten in der Ukraine arbeiten. Sie haben einen Film über ein Militärkrankenhaus gemacht und zeigen uns, wie schrecklich die Auswirkungen des Krieges auf das junge Leben der Soldaten sind. Auch wie das Krankenhauspersonal versucht, mit dieser psychischen Belastung umzugehen. Dann das Porträt einer Flüchtlingsfamilie, die aus dem Osten in den Westen geflohen ist. Dann haben wir noch eine russisch-ukrainische Co-Produktion. Sie heißt,Kiew-Moskau‘ und portraitiert Menschen in Moskau und in Kiew, die dieselben Berufe ausüben. Das wird parallel geschnitten, um zu sehen, wie schaut der Alltag von Menschen aus. Beide Produzenten, Pawel Kostomarow und Alexander Rastorgujew, sind Russen, aber die beteiligten Regisseure und Regisseurinnen kommen aus beiden Ländern. Es geht um Menschen mit ganz normalen Berufen, die ihren Alltag weiter zu leben versuchen. Beispielsweise eine junge Kellnerin in Kiew, ein junger Kellner in Moskau. Aber es gibt auch Szenen, die an der Front gedreht sind. Es ist ein Versuch zu dokumentieren, was im Alltag der normalen Bevölkerung passiert.“

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