Autor Thema: Jaguar F- Type: Coupé löst wahren F- Hype aus  (Gelesen 1182 mal)

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Jaguar F- Type: Coupé löst wahren F- Hype aus
« am: 01. April 2014, 06:22:42 »
Dieser Hintern!

Fast scheint es, nicht nur Jaguar habe jahrzehntelang auf einen Nachfolger des E- Type gewartet, sondern die ganze Autowelt. Glückshormone dann im Frühjahr 2013, als der F- Type- Roadster kam, und jetzt? Surfen Fans und Verantwortliche auf einer Endorphinwelle, ausgelöst vom F- Type- Coupé, das noch britischer ist, noch sportlicher, noch schöner – und endgültig einen F- Hype auslöst.
Das feste Dach, dessen Linie stilsicher bis in den letzten Winkel des Hecks fließt, toppt die Eleganz des Cabrios und macht den Jag- Hintern zu einem der schönsten, die derzeit zu kaufen sind. Wo der offene Zweisitzer noch etwas von einem Muscle- Car hat, passt hier wirklich alles zusammen. Und sieht in echt noch besser aus als auf Fotos. Aus jedem Winkel.


Mehr als schön
Der F- Type wird durch das Dach nicht nur schöner, sondern auch 80 Prozent verwindungssteifer, was wiederum das Fahrverhalten optimiert und ihn zum ernstzunehmenden Sportwagen macht – vor allem in der R- Version mit dem besonders scharfen Fahrwerk (die für das Cabrio nicht angeboten wird). Hier leistet der Fünfliter- Kompressor- V8 leistet statt 550 PS statt deren 495 im Cabrio.


4,2 Sekunden gibt Jaguar für den Sprint auf 100 km/h an, dazu 300 km/h Spitze (abgeregelt!). Am Ende der 1,7 Kilometer langen Geraden auf der Rennstrecke im Motorland Aragón sind es immerhin weit über 250 km/h, dann holen mich die optionalen Carbon- Keramik- Bremsen (12.500 Euro, erkennbar an den gelben Bremssätteln) in Null- Komma- Nix auf gefühlt Schritttempo herunter. Präzise lenkt der F- Type ein, wie auf Schienen geht es um die Kehre, bevor sich die 295er an der Hinterachse mit dem Asphalt verzahnen und mich mithilfe des aktiven Sperrdifferentials aus der Ecke pfeffern. Per Schaltpaddles zappe ich durch einige der acht Automatikstufen. Die sind übrigens in allen Varianten gleich gestuft und serienmäßig, nur die Hinterachsübersetzung ist beim R kürzer.


Wenn ich Kurven nicht ideal kriege, ich zu spät einlenke oder über den Streckenrand hinausfahre, liegt es nicht am F- Type, sondern schlicht daran, dass ich nicht erfahren genug bin, den Track innerhalb von fünf Runden zu kapieren, trotz Instruktor am Beifahrersitz (die sechste wäre sicher perfekt gewesen…). Der Jag verzeiht Fehler und lässt mich zu keinem Zeitpunkt im Unklaren darüber, wo die Reise hingeht. Wieselflink haut sich der 1,6- Tonner (1.590 kg ohne Fahrer) durch die Schikanen, Untersteuern verhindert er im Rahmen des physikalisch Machbaren per Bremseingriff an den kurveninneren Rädern ("Torque Vectoring by Braking), das ESP lässt in seiner scharfen Stellung so viel zu, dass ich ohne wohl kaum schneller wäre, bremst mich aber kompromisslos ein, wenn es wirklich zu viel wird (hier ein kurzes Onboard- Video von einer leider nicht perfekten, aber sehr spaßigen Fahrt). Natürlich ist es auch abschaltbar.


Wenn man Verbesserungspotential sucht, findet man es darin, dass die Lenkung gerne eine Spur mehr Rückstellkräfte vermitteln dürfte und die Spreizung zwischen Normal- und Dynamik- Stellung des adaptiven Fahrwerks eine Idee größer sein könnte. Dafür ist der Dynamic- Mode am Display frei konfigurierbar.


Sport nicht nur mit V8
Es braucht keineswegs eine Rennstrecke, um mit dem F- Type Spaß zu haben, auch nicht unbedingt den V8, denn auch der V6 ist vor allem in der 380 PS starken S- Version kein Auto von Traurigkeit. Der Sound ist gleichermaßen prickelnd, nur etwas weniger bassig. Je nach Neigung öffnet man per Knopfdruck die Auspuffklappen für den etwas pubertäreren Klang oder lässt sie geschlossen. Dann röhrt, brabbelt und spotzt es nur bei höheren Drehzahlen und schont Ohren und Anwohner bei Normalfahrt. Das Fahrwerk ist auch im V6 S ein adaptives, im Standard- V6 (340 PS) hingegen ein Standard- Sportfahrwerk.


Klarer Vorteil an der V6- Version: Sie hat den mittigen Doppelauspuff, der noch besser und spezieller aussieht als die beiden Doppelrohre links und rechts. Leistungsmäßig kommt man wohl auch mit sechs Zylindern klar, und die Preisdifferenz kann man dann etwa in das herrliche Glaspanoramadach investieren, das optisch nahtlos in die Heckscheibe übergeht (und in einen Zweitwagen). Sophisticated Assistenzsysteme gibt es hier wie dort nicht, abgesehen vom Totwinkelwarner.


Spaß nicht nur auf der Rennstrecke
Käme auch seltsam, wenn plötzlich, sagen wir, vor Kurve 2 der Notbremsassistent eingreifen und sich der Warnblinker aktivieren würde. Wer im F- Type unterwegs ist, gehört hoffentlich ohnehin zu den aufmerksamen Zeitgenossen, denn sein Potential spielt er nicht nur auf dem Race Track aus. Auch auf verwinkelten Landstraßen ist Spaß garantiert. Dabei empfiehlt sich hin und wieder der Blick auf den schönen Rundtacho, denn man neigt dazu, schneller unterwegs zu sein, als man glaubt – so unaufgeregt zischt der F- Type dahin. Bleiben die Auspuffklappen zu, geht es sogar recht leise zu. Nur die rahmenlosen Seitenscheiben haben einen dezenten windrauschenden Nebeneffekt. Einen Hinweis auf das Tempo gibt der Heckspoiler: Der fährt bei 110 km/h aus und bei 80 wieder ein. Dass er beim Blick in den Rückspiegel die Hälfte des Blicks verdeckt, wollen wir ihm verzeihen, weil er den Jaguar- Schriftzug samt Raubkatze ins Bild hält (leider nicht in Spiegelschrift).


F- Type im Alltag?
Ja, denn in den Kofferraum passen 407 Liter Gepäck hinein (mehr als doppelt so viel wie im Cabrio) und dank adaptivem Fahrwerk sind auch A- nach- B-Fahrten ohne Nebenwirkungen zu genießen. Es gibt durchaus praktische Ablagelösungen. Nur eine Verstellfunktion für die Mittelarmlehne fehlt. Der Normverbrauch liegt zwischen rund neun und elf Litern, theoretisch. Der Verzicht auf die Keramikbremsanlage hält die Wartungskosten im Rahmen.


Apropos Kosten: Der Jaguar F- Type R tritt im Prinzip gegen den Porsche 911 Turbo S an, kostet aber ohne Extras mit 132.150 Euro nur etwas mehr als die Hälfte. Der Einstieg in das Spiel mit der Raubkatze beginnt bei 80.100 Euro für das Basismodell mit 340 PS oder 95.100 Euro für den F- Type S (mit dem schöneren Auspuff als der R). Beide sind fast 10.000 Euro billiger als der entsprechende Roadster. Wer noch ein Argument braucht – der F- Hype wird auch in ein paar Jahrzehnten noch für hohe Gebrauchtwagenpreise sorgen.


Markteinführung in Österreich ist im Mai 2014.

Warum?
E- Type- Nachfolger ohne Retro- Getue
Es ist schwer, Fehler zu finden – optisch wie technisch

Warum nicht?

Der Aufpreis für den R ist knackig

Oder vielleicht …

… kurz über den Roadster nachdenken – und dann das Coupé nehmen. Oder auf die RS- Version mit 585 PS warten. Sonst Porsche 911 oder Corvette.

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