Autor Thema: Bangkok: Putsch lässt Wogen erneut hochgehen  (Gelesen 947 mal)

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Bangkok: Putsch lässt Wogen erneut hochgehen
« am: 26. Mai 2014, 09:46:35 »
Widerstand im Netz

Thailands Armee hat wieder einmal geputscht, nach altem Muster: Das Militär schaltete die Fernsehsender gleich, diese mussten patriotische Musik spielen. Aber die Putschisten haben die Rechnung ohne die Computerkids und Smartphone- Virtuosen gemacht. Im Zeitalter von Twitter und Facebook formiert sich der Widerstand rasant. Ein Schnellimbiss mitten im bekanntesten Bangkoker Shoppingviertel wird über Nacht zum
Treffpunkt des Anti- Putsch- Lagers.

"Hier geht es nicht um das eine oder das andere politische Lager, hier geht es um die Demokratie", sagt die 49- jährige Ploy. Die Büroangestellte ist sichtlich erregt. "Wir wollen der Welt zeigen, dass viele Thailänder mit diesem illegalen Coup nicht einverstanden sind".

Demonstranten skandieren "Armee, hau ab!"
Mit rund 300 anderen Personen sind sie gekommen, um der Armee die Stirn zu bieten. Eine Frau entrollt ein großes Blatt Papier. "Stoppt den Putsch!" steht darauf. Andere recken die Arme mit ähnlichen Papieren in die Luft: "Kein Coup", "Freiheit für das Volk". Einer nach dem anderen erhebt die Stimme. "Armee, hau ab!" skandieren einige. "Zurück in die Baracken!" Zwei junge Frauen kleben sich den Mund demonstrativ mit schwarzem Klebeband zu.

Verständigung über Twitter und Facebook

Die Leute haben sich über Facebook und Twitter verständigt. Der Standort ist mit Bedacht gewählt: Vor dem Amarin- Shopping- Center ist jeden Sonntagmorgen viel Betrieb. Die Putsch- Gegner, die mit ihrer Kundgebung gegen die drakonischen Maßnahmen des Kriegsrechts verstoßen, sind unentdeckt gekommen.

Vor dem Schnellimbiss marschieren jetzt Soldaten in Kampfmontur auf, mit Waffen und Schutzschilden, direkt vor einem überlebensgroßen Clown, der am Eingang steht. "Eilmeldung: Soldaten nehmen Ronald McDonald fest", machen sich Twitterer unter den Demonstranten sofort über die Uniformierten lustig.

"Soldaten haben so oft geputscht, das ist nicht normal"
"Wenn diese Leute die Macht haben wollen, sollen sie eine Politik machen, die ihnen Wähler bringt", entrüstet sich der Bauunternehmer Not. Er hat 2011 Ex- Regierungschefin Yingluck Shinawatra gewählt, die Schwester des mächtigen Telekom- Milliardärs Thaksin, der selbst 2006 gestürzt worden war. Thaksin dirigierte die Regierung aus dem Exil. Er war die Hassfigur der Regierungsgegner, die den Sturz betrieben haben.

"Shinawatra oder nicht, ich gehöre keinem Lager an", ruft der 49- jährige Mink aufgebracht dazwischen. "Ich habe nur die Nase voll davon, dass die Armee meint, sie kann tun, was sie will. Soldaten haben so oft geputscht, die Leute meinen, das sei normal. Ist es aber nicht", meint er erregt.

Jetzt kommt es vor der Tür zu Tumulten. Über Lautsprecher spielen Soldaten patriotische Lieder ab, um die Demonstranten zu übertönen. Schreie dringen durch den Lärm, als sie einen jungen Mann abführen. Ein zweiter Mann weigert sich. Er geht beim Schubsen und im Gerangel fast zu Boden, ehe die Soldaten ihn fortschleifen.



Informationen:

« Letzte Änderung: 26. Mai 2014, 09:50:56 von Sputnik Magazin »