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Höhlendrama: Unwetter könnten Plan durchkreuzen
« am: 11. Juni 2014, 11:03:17 »
Thema: Höhlendrama

Bei den Bemühungen zur Rettung des in rund 1.000 Meter Tiefe gefangenen Höhlenforschers in Deutschland spielt der Wetterbericht eine immer größere Rolle. Die Helfer, die seit Tagen die Bergung aus der Riesending- Schachthöhle bei Berchtesgaden vorbereiten, hoffen, dass die für Donnerstag erwarteten Unwetter die Arbeiten nicht verzögern. Regen könnte Teilstrecken in der Höhle zeitweise unpassierbar machen.
"In den geraden Strecken, den Canyons, ist viel Wasser. Würde es stark regnen, heißt das nicht, dass unsere Retter ertrinken könnten. Allerdings wäre es möglich, dass der Zu- und Abstieg versperrt wird. Dann müssten wir abwarten, bis das Wasser wieder zurückgeht. Die Bergung könnte sich damit weiter nach hinten verschieben", erklärte Klemens Reindl von der Bergwacht Bayern. Läuft dagegen alles glatt, könnte der Forscher Johann Westhauser auf eine Rettung binnen einer Woche hoffen - sofern ein Arzt ihn für transportfähig erklärt.


Hilfe auch aus Österreich
Am Dienstag startete zusammen mit drei Schweizer Höhlenrettern erneut ein Arzt zu dem Verunglückten - ein höhlenerfahrener Mediziner aus Österreich. Er sollte am Mittwoch bei dem 52- Jährigen eintreffen. Wenn der Arzt zustimmt, kann der Transport des Patienten beginnen. Dem Verletzten aus Baden- Württemberg scheint es besser zu gehen als zunächst befürchtet, am Dienstag hatte es geheißen, sein Zustand sei stabil.

Von der Salzburger Höhlenrettung sind laut Einsatzleiter Norbert Rosenberger insgesamt 15 Retter vor Ort. Bisher seien sechs Salzburger in das verwinkelte Gang- und Schachtsystem im Inneren des Untersberges eingestiegen.

Plan: Pro Tag ein Biwak
Die Helfer hoffen, dass sie mit dem Verletzten jeden Tag eines der fünf extra für die Rettung eingerichteten Biwaks erreichen können. Die Bergung aus dem dunklen und teilweise sehr engen Schacht dürfte extrem schwierig werden. Der Mann kann dabei nicht ausschließlich liegend transportiert werden. Unklar ist, ob er in der Lage ist, schwierige Engstellen und Seilpassagen eigenständig zu passieren.

Inzwischen sind auch 16 erfahrene italienische Höhlenretter eingetroffen. Am Dienstagabend machten sich die ersten sechs von ihnen für den Einstieg in die Höhle bereit. Zunächst sollte ein Dreierteam starten, um die Schweizer in der Tiefe zu unterstützen und zusätzliche Ausbaumaßnahme vorzunehmen, wie die Bergwacht mitteilte: "Es geht darum, weiteres Sicherungsmaterial hineinzubringen", sagte ein Sprecher. So sollen etwa Metallstifte an glitschigen Stellen eingeschlagen und die Höhle mit weiteren Seilen gesichert werden.

Funksystem macht Kontakt bis zur tiefsten Stelle möglich
Mittlerweile funktioniert auch die Kommunikation bis zur tiefsten Stelle der Höhle. Die ersten 400 Meter wurde eine Telefonleitung verlegt. Danach installierten die Schweizer Experten eine Funkverbindung, ein sogenanntes Cave- Link- System. Über dieses können die Retter Textnachrichten versenden. Auch die Höhlenretter aus Salzburg halfen beim Legen der Telefonleitung und dem Aufbau des Höhlenfunksystems.

Das Datenübertragungs- und Messsystem wurde speziell für die Höhlenforschung und den Bergbau entwickelt und ermöglicht die sichere Datenübertragung durch einige Hundert Meter Fels. Da ein automatisches Weiterleiten über mehrere Geräte möglich ist, können mittels Cave- Link auch sehr große Distanzen überbrückt werden.

Warten auf Rettung bei vier Grad Celsius
Der Höhlenforscher war am frühen Pfingstsonntag mit zwei Begleitern in rund 1.000 Metern Tiefe in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands unterwegs, als es gegen 1.30 Uhr zu einem Steinschlag kam. Dabei wurde er am Kopf schwer verletzt. Seither muss er bei Temperaturen von rund vier Grad ausharren. Die Riesending- Schachthöhle besteht aus einem gigantischen Gangsystem mit einer Länge von 19,2 Kilometern und ist 1.148 Meter tief.

Der Zustieg in die Höhle ist extrem schwierig. "Die ersten 350 bis 400 Meter sind eine senkrechte Abseilstrecke. Es gibt viele Querungen", erklärt Bergwacht- Sprecher Reindl. Nur die Fittesten schaffen die gesamte Strecke, wenige kennen den Weg in die Tiefen des Untersberges. Um sich während des zwölf Stunden langen Abstiegs ausruhen zu können, wurden an den trockenen Stellen insgesamt fünf Biwaks samt Verpflegung eingerichtet.

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« Letzte Änderung: 15. Juni 2014, 07:27:52 von Sputnik Magazin »