Autor Thema: Höhlendrama in Berchtesgaden: Arzt erreicht Schwerverletzten +++ Video  (Gelesen 725 mal)

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Berchtesgaden

Nach dem Unglück in 1000 Metern Tiefe ist für den schwer verletzten Höhlenforscher Johann Westhauser medizinische Hilfe in Sicht. Gut drei Tage nach Unglück in der Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden hat erstmals ein Arzt den schwer verletzten 52-Jährigen in 1000 Metern Tiefe erreicht. "Der österreichische Arzt und die Italiener haben den Patienten erreicht", hieß es in einer Textnachricht, den die Helfer über das eigens installierte Funksystem aus der Tiefe an die Rettungskräfte draußen absetzten. Ob auch der italienische Arzt schon beim Verunglückten
ist, sei unklar, sagte der stellvertretende Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider, am Mittwochabend.

Zwei Ärzte waren am Mittwoch auf dem Weg zu dem Verunglückten. Westhauser hatte bei einem Steinschlag am frühen Sonntagmorgen ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. "Es ist so, dass so ein Patient seit mehr als drei Tagen auf der Intensivstation liegen würde", sagte der Frankfurter Neurochirurg Michael Petermeyer in Berchtesgaden.

Der 52 Jahre alte Höhlenforscher, der seit Sonntag in der tiefsten und längsten Höhle Deutschlands ausharrt, habe aber wahrscheinlich das Schlimmste überstanden. "Die Schwelle der maximalen Gefährdung ist überschritten, aber er ist noch nicht über den Berg", sagte Petermeyer. "Was jetzt mehr oder minder schicksalhaft und nicht vorhersehbar ist, sind Blutungen." Der höhlenerfahrene Mediziner ist anreist, um die Einsatzleitung zu verstärken und bei Bedarf selbst in die Höhle zu gehen.

Zustand ist unverändert stabil
Petermeyer berät die Retter und ist in Kontakt mit seinen beiden Kollegen unter der Erde, einem Arzt aus Österreich und einem aus Italien. Sobald beide oder einer von ihnen den Patienten erreicht habe, könne die gezielte Therapie beginnen - und möglicherweise auch schnell mit der tatsächlichen Rettung begonnen werden. Man müsse aber abwägen zwischen einer zusätzlichen Gefährdung des Patienten und einem weiteren Abwarten in der Tiefe bei etwa vier Grad, wo es zudem keine intensivmedizinische Betreuung gebe. Sein Zustand ist unverändert stabil. Der Höhlenforscher soll ansprechbar sein und mit Hilfe stehen können.

Inzwischen haben andere Helfer die Route zum Unglücksort gesichert. Unter anderem wurden an schwierigen Stellen Metallstifte in die glitschigen Felswände gebohrt. Zusätzliche Seile sollen den Rettern den Weg erleichtern. Teils wurden Seile ausgetauscht, weil sie verschlissen waren.

"Absolute Ausnahme, wenn da eine runterkommt"
Die Höhle sei extrem schwierig, sagte der stellvertretende Chef der Bergwacht Bayern, Stefan Schneider. "Für mich ist das die absolute Ausnahme, wenn da eine runterkommt."

Zunächst hatten die Helfer gehofft, dass der österreichische Arzt den Verletzten am Mittwochmorgen erreichen könnte. Westhauser, der zu den extremsten Höhlenforschern Deutschlands zählt, hatte die Höhle mitentdeckt und erforscht sie mit seinen Kollegen seit Jahren. Er war mit zwei anderen Forschern am Sonntag von einem Steinschlag überrascht und von einem Brocken am Kopf getroffen worden.


Plan: Mit einer Trage an engen Stellen vorbei
Für den Aufstieg wäre es hilfreich, wenn Westhauser mithelfen könnte - etwa an Engstellen. Der Höhlenretter und Einsatzleiter Nils Bräunig sagte allerdings am Mittwoch, er sei zuversichtlich, den Verletzten mit einer Trage auch an engen Stellen vorbei zu bringen.

Sehr aufmerksam beobachten die Helfer derzeit den Wetterbericht. Unter anderem soll es Wärmegewitter geben. Starker Regen kann auch in Höhlen die Schluchten und Canyons gefährlich mit Wasser anschwellen lassen.
"Es ist völlig ungewiss, wo ein Gewitter abgeht. Wir werden das einfach abwarten", sagte Schneider. "Erfreulich ist für uns, dass es keinen Dauerregen und keinen Starkregen gibt. Wir wissen die Stellen, wo Wasser läuft, wo Wasserfälle sind und wie diese reagieren." Für die Retter gebe es auf dem Weg sichere Rückzugsmöglichkeiten.


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