Autor Thema: "Project 360": Eigernordwand virtuell erklimmen  (Gelesen 1133 mal)

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"Project 360": Eigernordwand virtuell erklimmen
« am: 18. August 2014, 10:19:52 »
Mit wenigen Klicks


Am 24. Juli 1938 wurde die Eigernordwand von einer deutsch- österreichischen Seilschaft erstmals durchstiegen. Vor dieser alpinistischen Großtat hatten nicht weniger als acht Bergsteiger ihre Versuche in der durch Stein- und Eisschlag gefährlichen Wand mit dem Leben bezahlt - und es blieben nicht die einzigen Opfer, weshalb die 1.650 Meter lange und leicht nach innen gekrümmte Nordwand bald den Beinamen "Mordwand" erhielt. 76 Jahre später genügen ein paar Mausklicks, um über die gefürchtete Heckmair- Route den 3.970 Meter hohen Gipfel des Eiger zu stürmen - der Schweizer Sportartikelhersteller Mammut macht's möglich.
Die Aussicht von oben ist das Faszinierende am Bergsteigen. Diese Aussicht und einen grandiosen Rundumblick bietet Mammut nun aus der Eigernordwand mit seinem "Project 360" : Es zeigt die Bergsteiger- Sicht direkt aus der Wand. Die Bilder dafür liefern zwei speziell entwickelte Rucksäcke mit je sechs Kameras und einem Gesamtgewicht von acht Kilogramm, die die beiden Profi- Alpinisten Daniel Arnold und Stephan Siegris durch die legendäre Heckmair- Route in der Eigernordwand trugen.



Das Ergebnis ist eine virtuelle Besteigung der mächtigen Wand und eine beeindruckende 360- Grad- Rundumsicht. Die Aufnahmen machen die legendäre Tour der Erstbesteiger Schritt für Schritt für jeden online erlebbar und vermitteln spürbar die Faszination der nördlichen Eiger- Flanke: Mit wenigen Klicks bewegt sich der Nutzer durch die 1.650 Meter hohe Felswand, blickt in die Höhe oder Tiefe und kann den Verlauf der Route aus unmittelbarer Nähe studieren. Dabei bestimmt der Nutzer selbst, welche Blickrichtung er aus der 360- Grad- Rundumsicht wählt.

"Vertikales Street View"
Mammut- Chef Rolf Schmid spricht daher auch von einer "Art vertikalem Street View": "Mit 'Project360' erweitern wir das, was Google mit Street View in Länge und Breite umsetzte: Wir eröffnen mit einer Tiefenansicht eine dritte Dimension – und das in einer weitaus höheren Qualität als bislang möglich." Besonders spannend: Auf Smartphones und Tablets lassen sich die Rundum- Ansichten allein durch die Bewegung des Geräts steuern.

Aufwendige Vorbereitungen
Um das zu ermöglichen, war allerdings viel Vorarbeit nötig: In aufwendigen Probeläufen in Kletterhallen, in den Schweizer Alpen und an der Nordwand selbst wurden Kameramodelle verschiedenster Hersteller getestet. Als beste Lösung erwies sich schließlich ein 360- Grad- Videosystem von GoPro, das mit insgesamt sechs Kameras auf ein Gewicht von knapp zwei Kilogramm kommt. Das System bot während der Tour laut Mammut zahlreiche weitere Vorteile: Es überzeugte mit einfacher Handhabung in unterschiedlichsten Klettersituationen, erwies sich als unempfindlich gegen die niedrigen Temperaturen am Eiger und ermöglichte mithilfe eines automatisierten Auslösers zudem Bilder an schwierigen Stellen der Route.

Doch erst die Integration in einen von Mammut speziell entwickelten Alpin- Rucksack machte die Kameratechnik klettertauglich: Auf Basis des Modells "Trion Nordwand" entwarf die Entwicklungsabteilung des Schweizer Unternehmens einen Rucksack, der sowohl den alpinistischen als auch den technischen Anforderungen genügte.

Die beiden Protagonisten wurden schließlich von einer zweiten, unabhängig agierenden Seilschaft, bestehend aus drei Kletterern, begleitet, die den Fortschritt der beiden Profis dokumentieren und im Falle von technischen Problemen mit Ersatzteilen aushelfen sollte. Ein Bergsteiger aus dem Dokumentations- Team trug sogar ein komplettes drittes Kameraset auf dem Rucksack, um bei einem Totalausfall der ersten beiden Systeme aushelfen zu können.

Virtuelle Tour ersetzt reale Touren- Vorbereitung nicht
Wer jetzt auf den Geschmack gekommen sein sollte und die Eigernordwand real durchsteigen möchte, sei gewarnt: Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass das virtuelle Studium vor dem PC "nicht die eigene gründliche Touren- Vorbereitung" ersetzen kann – und schließt deshalb "jegliche Haftung für Schäden und Folgeschäden aus, die durch Verwendung von Inhalten dieser Plattform entstehen können".



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« Letzte Änderung: 18. August 2014, 10:21:43 von Sputnik Magazin »