Autor Thema: Meine Stadt, Straubing  (Gelesen 2811 mal)

Straubing1988

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Meine Stadt, Straubing
« am: 13. Dezember 2014, 11:06:44 »
Hallo. Ich habe hier eine etwas ausführliche Geschichte über meine Heimatstadt Straubing zusammengefasst. Dieser Beitrag soll euch zeigen, wie sehr mir meine Stadt am Herzen liegt und dass ihr ein wenig darüber erfährt. Leider ist die Geschichte der Stadt etwas lang, von daher wurde der text etwas länger.

Hier ist allerdings auch eine vom Radiosender Antenne Bayern kreierte Heimathymne für die Stadt
https://www.youtube.com/watch?v=mQg93fHzg60

Meine Stadt Straubing:


Geographie
Allgemeine Daten
Geschichte
Besondere Gebäude
Gäubodenvolksfest
Wichtige Personen
Abschluss
Bilder

Geographie:
Straubing liegt im östlichen Teil von Bayern. Die Stadt liegt mitten im "Gäuboden", einen besonders fruchtbaren Boden. Durch diesen Boden war vor allem Straubing mitten die "Kornkammer Bayerns". Grund dafür ist, dass der Boden besonders mineralreich, gut durchluftet und leicht zu bearbeiten ist. Durch Straubing fließt die Donau, der zweitlängste Fluss von Europa.
Umgeben ist Straubing von folgenden Landkreisen:
Regensburg
Cham
Deggendorf
Dingolfing
Regen
Landshut

Allgemeine Daten:

Die Einwohnerzahl beträgt im Stadtgebiet auf ca. 45.000. Diese verteilen sich auf ein Gebiet von ca. 124,2 km². Somit hat die Stadt eine Dichte von ca. 362 Einwohner pro km².
Neben der Kernstadt Straubing besteht Straubing noch aus folgenden Stadtteilen:
Alburg
Ittling
Kagers
Hornstorf
Kay
Sossau
Unterzeiteldorn

Das Klime ist gemäßigt. Aufgrund ihrer Lage ist die Stadt gut vor Föhnwinden vom Süden, alsauch vor kalten Winden vom Norden geschützt. Aussschlag gebens hierfür ist, dass der bayerische Wald im Norden, die niederbayerische Hügellandschaft im Süden, und die tiefe Flussebene die Stadt größtensteils schützen.


Geschichte.
Schon in der Jungsteinzeit, ca 5600 vor Christus, lebsten Menschen in Ansiedlungen in der Gegend von Straubing. Ab 500 v. Chr. Siedelten sich hier die Kelten an. Von ihnen stammte dann der erste Name der Siedlung: Sorviodurum
Die, geschichtlich gesehen, größten Ereignisse in der Region in der Vergangenheit um die Zeitenwende. Durch die ca. 400 Jahre andauernde römische Herrschaft wurden zahlreiche Verteidigungsanlagen erbaut, um gegen die Germanischen Stämme, welche jenseits der Donau waren, sich zu verteidigen.

Als die römische Herrschaft zuende war, wurde die Siedlung von den Bajuwaren benutzt. Wie damals bei den Bajuwaren es Tradition war, wurde die Siedlung nach den Sippenführer benannt:
Strupo Strubinga
Aus diesem Namen leitete sich später der heutige Name der Stadt ab, Straubing.
Die erste urkundliche Erwähnung von Straubing gab es 897, als das sächsische Kaiserhaus unter Kaiser Otto dem Großen überging an Kaiser Heinrich den Heiligen. Zur dieser Zeit schenke Kaiser Heinrich seinen Bruder Bruno, welcher damals Bischof von Augsburg war, sein Gut zu Straubing. Als Bruno starb, ging das alte Straubing an das augsburger Domkapitel über. Von dessen Herrschaft kaufte sich die Stadt 1537 erst wieder frei. In dieser Zeit, in der zweiten Häfte des 12. Jahrhunderts, wurde eines der großen Bauwerke der Stadt errichtet. Die Kirche St. Peter.
Schnell entwickelte sich Straubing zu einem Zentrum der wittelsbacherischen Herrschaft. 1316 entstand der Stadtturm, das Wahrzeichen der Stadt,  1395 die Basilika St. Jakob und der Stadtplatz. Heute stellt sich der gotische Stadtkern mit dem 800 m langen Stadtplatz als harmonischer Mix von gotischen Treppengiebeln, Renaissance-Erkern, Barock- und Rokokofassaden und klassizistischen Lisenen dar. 1353 wurde Straubing dann Hauptstadt des Herzogtums Straubing-Holland.
Weitreichende Bekanntheit erlangte die Liebesgeschichte zwischen dem wittelsbachischen Erben Albrecht und der Baderstochter Agnes Bernauer, die 1435 in der Donau bei Straubing ein tragisches Ende fand. Als Sühne erbaute Herzog Ernst die Bernauer-Kapelle am Petersfriedhof, worin sich heute auch die Grabplatte findet.
Ab 1474 wurde der Befestigungsring um die Stadt erheblich erweitert. Um den Schiffsverkehr besser kontrollieren zu können und den für den Stadtsäckel wichtigen Zoll erheben zu können, verlegte man auch den Lauf der Donau durch die so genannte Bschlacht näher an die Stadt unter Nutzung des alten Altwasserarms.
Zwischen 1614 und 1702 liesen sich in der Stadt mehrere Ordensgemeinschaften nieder:
1614 die Kapuziner
1637 die Jesuiten
1691 die Ursulinen
1702 die Franziskaner
1748 die Elisabethinen
Eine dunkle Zeit erlebte Straubing während des dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648. Von den rund 4000 Einwohnern wurden 1800 Menschen während der schwedischen Besetzung 1633 getötet. Der damalige Mauernring, welcher als Schutz gegen Feinde und auch gegen die Menschen schützen sollen, welche die Pest hatten, wurden während der Besetzung zerstört. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts hat sich die Stadt davon erholt.
Die Bildhauer- und Malerfamilie Asam erschufen zu dieser Zeit die Klosterkirche der Ursulinen.

1704 wurde Straubing durch die Österreicher besetzt. Dennoch schaffte es die Stadt, 1709 die österreicher zu vertreiben und aus dieser Zeit stammt auch die Dreifaltigkeitssäule. Dennoch belagerten österreichische Truppen die Stadt 1742 und 1743. Allerding zu dieser Zeit die Stadt Bankrott. Durch diese Wirtschaftskriese kam es 1780 zu einem großen Stadtbrand. Nach und nach verlor Straubing seine politische Bedeutung, jedoch nicht als wichtiger Markt- und Handelsplatz zwischen Regensburg und Passau.

Anlässlich des Besuches des bayerischen Thronfolgerpaares 1812 wurden das Gäubodenvolksfest ins Leben gerufen und die beiden Teile des Stadtplatzes in Ludwigsplatz und Theresienplatz umbenannt.
Straubing gehörte zu den ersten bayerischen Städten, die am Ende des Ersten Weltkriegs von der Novemberrevolution erfasst wurden. Am 8. November 1918 befreite ein Demonstrationszug Gefangene. Bereits am Nachmittag des 9. November hatte sich ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet, abends noch ein Bürgerrat.
Im März 1933 wurde der straubinger Otto Seltz ermordet. Er war das erste jüdische Opfer des Nationalsozialismuses in Deutschland. 1938 wurde auch die jüdische Synagoge in Straubing von SA-Männern verwüstet. 43 jüdische Opfer gab es zur Zeit des Nationalsozialismuses. Zwischen 1944 und 1945 gab es zu schweren  Bombenangriffen. Hierbei starben 400 Menschen. In der Nachkriegszeit erlebte Straubing allerdings wieder einen großen wirtschaftlichen Aufschwund. 1989 hatte Straubing die Ehre, die Landsgartenschau zu veranstalten.
Im 21. Jahrhundert ist Straubing geprägt von der Wissenschaft für nachwachsende Rohstoffe.
Das letzte dunkle Kapitel von Straubing war von 2013, als das Jahrhunderthochwasser große Teile der Stadt unter Wasser setzte.

Besondere Gebäude:
Das wichtigste und wohl auch meistbekannte Gebäude in Straubing ist der Stadtturm.
Dieser wurde zwischen 1316 und 1393 gebaut. Er ist 68 Meter hoch und dienste zur damaligen Zeit als Wach- und Feuerturm. Der Stadtturm beherbert eine der ältesten Glock von Deutschland, welche 1406 gegossen wurde.
Als der Herzog Albrecht I. 1356 den Bau eines Schlosses begann wußte dieser, dass dieses Herzogschloss nicht nur ihm, sondern auch den Grafen von Holland, Seeland, Hennegau und Den Haag als Residenz dienen sollte. Deshalb entschloss er, dass dieses Herzogschloss an der Donau in der Altstadt entstehen sollte. Das Schloss besteht aus:
Fürstenbauten im Palas
Schlosshof
Schlosskapelle St. Sigsmund
Torturm
Nordflügel
Vizhumpalast
Agnes-Bernauer-Turm
mehrere kleinere Türme und Gebäude, welche jedoch heute nicht mehr vorhanden sind.
Den Kirchen:
St. Peter mit Friedhof St. Peter
Basilika St. Jakob und St. Tiburtius
Karmelitenkirche Hl. Geist des Karmelitenklosters Straubing
Ursulinenkirche
Kirche St. Veith
Wallfahrtskirche Sossau
Ebenso den Denkmälern Wasserturm und Dreifaltigkeitssäule.

Gäubodenvolksfest
Das bekannteste Fest in Straubing ist das alljährliche Gäubodenvolksfest.
Es ist eines der größten Volksfeste von Bayern. Jährlich kommen über 1.2 Millionen Menschen von der ganzen Welt nach Straubing. 1812 wurde es ins Leben gerufen als landwirtschaftliches Vereinsfest unter König Maximilian I. Von 1812 bis 1898 wurde das Fest abwechselnd zwischen Straubing und Passau, als auch ab 1837 in Landshut veranstaltet. Das straubinger Volksfest wurde dann ab 1898 im Zweijahresrhytmus veranstaltet. Damals war die Besucherzahl groß mit 25.000, wenn man bedenkt, dass Straubing damals nur 17.000 Einwohner hatte.
1912 konnte das Fest nicht abgehalten werden, weil Dauerregen den Festplatz unter Wasser setzte. Aufgrund des ersten Weltkrieges wurde das Volksfest erst wieder 1922 eröffnet. Jedoch wurde auch dieses Fest zur Zeit des Nationalsozialismus missbraucht. Damals hieß das Volksfest "Fest der Ostmarkt" genannt. Die dazugehörige Ausstellungsmesse wurde "Braune Messe" genannt.
Erst nach den zweiten Weltkrieg wurde das Volksfest wieder 1947 betrieben. Ab 1949 wurde es in "Gäubodenvolksfest" umbenannt.

Wichtige Personen in der Geschichte von Straubing waren:

Albrecht I. (Bayern) (1336–1404), Herzog von Bayern-Straubing-Holland – Herzogschloss in Straubing erbaut
Agnes Bernauer (1410–1435), in Straubing ertränkte Baderstochter, Geliebte und möglicherweise erste Ehefrau des bayerischen Herzogs Albrecht III.
Hanns Georg Fux (1661–1706), Bildhauer aus Südtirol mit Hauptwirkungsort in Straubing
Franz Mozart (Mutzhart) (1681–1732), Bildhauer, Großonkel des Musikers Wolfgang Amadeus Mozart
Mathias Obermayr (1720–1799), Bildhauer und Stuckateur – bedeutender Künstler des Rokoko
Franz Troglauer (1754–1801), bekannter Räuberhauptmann des 18. Jahrhunderts, war 1798 in Straubing inhaftiert
Joseph Ludwig Graf von Armansperg (1787–1853), Appellationsgericht Straubing
Carl Spitzweg (1808–1885), deutscher Maler des Biedermeiers, lebte und arbeitete 1829 in Straubing

Abschluss:
Straubing ist geprägt von der Vergangenheit. Anhand der zahlreichen Denkmäler, Kirchen, Feste konnte die Stadt wachsen und sich entwickeln. Ich möchte nicht behaupten, dass Straubing die beste, schönste, größte Stadt ist. Sie ist aber eine Stadt, welche wie viele andere in Europa, eine bewegte Vergangenheit hat. Nur weil wir aus der Vergangenheit gelernt haben, konnten wir uns verbessern und so ein besseres Miteinander auch durch Kulturaustausch erreichen. Dennoch kann Straubing stolz auf sich sein, weil sie älter ist, als so manches Gebiet auf der Erde.




Bilder
Der Straubinger Hafen

Gewerbegebiet Sand in der unmittelbaren Nähe zum Hafen


Straubing aus ca. 10 Kilometer entfernung vom Bogenberg, einen bekannten Berg von der Nachbarstadt Bogen

Das Gäubodenvolksfest, zweitgrößtes Volksfest von Bayern

Aussicht vom Stadtturm Richtung Ludwigsplatz mit den Wasserturm und im Hintergrund der bayerische Wald

Aussicht vom Stadtturm Richtung Theresienplatz im Winter mit dem Christkindlmarkt. Daneben die Basilika St. Jakob

Die Donau in Straubing mit dem Herzogschloss
« Letzte Änderung: 13. Dezember 2014, 12:18:49 von Straubing1988 »