Autor Thema: Der "Deife" ist überall  (Gelesen 1061 mal)

Sputnik Magazin

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Der "Deife" ist überall
« am: 30. März 2015, 08:42:42 »



Teufel im Bayerwald
Der Teufel muss im Bairischen für vieles herhalten. Ekel, Anerkennung, Mitleid, Spott – überall hat er die Hand im Spiel. "Pfui Deife!" ruft man aus, wenn man etwas Abstoßendes sieht, riecht oder schmeckt. "Dea hods ned leicht, des is an oama Deife" heißt es von jemandem, der Schwierigkeiten verschiedenster Art hat und sich schwer tut im Leben. "Is des a wejda/wuida Deife!" sagt man über eine besonders hässliche Person, aber auch mit leichter Bewunderung über jemanden, der sich mehr traut als andere und über die Stränge schlägt. "Schau den damischn Deife o!" drückt einerseits noch ein wenig Achtung vor dem Tun des Angesprochenen aus, andererseits aber mehr schon die Missbilligung seines Treibens. "Mei, bisd du a dumma Deife!" zeugt nicht gerade von Hochachtung für sein Gegenüber.
Auch verschiedene Redensarten haben einen teuflischen Kern: "Deife dauschn" erklärt J.A. Schmeller in seinem Bayerischen Wörterbuch mit "beym Tausche nichts besseres bekommen", was die Bedeutung wohl genau trifft. Manche Arbeiten gehen einem leicht von der Hand, bei anderen dagegen klappt nichts so, wie es sollte. Da könnte man schon auf die Idee kommen, dass übernatürliche Kräfte am Werk sind: "Des hod an Deife gseng!" Gibt einer sein Bestes, geht zum Beispiel im sportlichen Wettkampf an seine Grenzen, so tut der das – laut Redensart – nicht zuletzt auch, um den Teufel zu provozieren: "Da Neureuther is wieda gfon af Deife kimm aussa!"

Der Teufel gesellt sich gern dazu
Eine feste Größe ist der Teufel auch in der bairischen Sagenwelt, davon zeugt die umfangreiche Sammlung von Prof. Reinhard Haller, aus der die nachfolgenden Beispiele entnommen sind. Für seine Auftritte wählt der Teufel besonders gerne Brechhäuser aus. Nach getaner Arbeit wurde dort manchmal musiziert, gesungen und getanzt oder Karten gespielt. Bei dieser Gelegenheit gesellte sich dann oft der Teufel dazu, war aber als solcher zunächst nicht zu erkennen. Er kommt als "schneidige Jaaga" oder als "feina Herr mi am grean Tirojahuad und ana Henafedan draf" oder "midana greana Montur, wej a Jaaga, an Gamsbord om, a sechana sauwana Mo!" Er erweist sich dann als exzellenter Kartenspieler oder gebärdet sich als ausdauernder, temperamentvoller Tänzer, der gut bei den Frauen ankommt, aber über kurz oder lang verrät sich seine Identität durch bestimmte Merkmale, meist ist es der "Rooshaxn" oder ein "Goasglewe", manchmal hat er auch "an hejzaran fous/fuas". Bei anderen Gelegenheiten enttarnt er sich durch den "gliaradn Schwoaf" oder durch "Heana". Auch in tierischer Gestalt erscheint er, zum Beispiel als "Nodan, wej a Wischbaam so grous" oder als Hund, und selbst der hat "drei Hundshaxn und oan Goashaxn".

Beim Namen wird er nicht gerne genannt, wenn über ihn erzählt wird, dementsprechend fantasievoll und vielfältig sind die Umschreibungen: "Da Schwoatz", "da Leibhaftige", "da Anda", "da Ganzanda", "des is oana gwen vo da andan Seitn", "da Hoanade", "da Gliadsakra" , "Schbidsbou", "koa Gscheida" oder "da Gankal", was nach dem Deutschen Wörterbuch von J. und W. Grimm auf mittelhochdeutsch "kanker", "eine Art Spinne" zurückgehen könnte, oder aber auf mittelhochdeutsch "gengelære" (althochdeutsch "gangarari", "Umherziehender, Landfahrer"). Die Verkleinerungsform auf "-al" scheint der Teufelserscheinung ein wenig Ernsthaftigkeit zu nehmen, dies verstärken noch erweiterte Formen wie "Girigankal" und "Spirifankal", wobei für "Giri" bzw. "Spiri" kein sprachhistorisch entsprechendes Wort zu finden ist, vielmehr wird so lautmalerisch das ungreifbare, sich schnell verflüchtigende Wesen der teuflischen Erscheinung beschrieben.

Abschrecken mit dem "Deife"
Ein Indiz für die Anwesenheit des Teufels ist seine Hinterlassenschaft: Während einer verbotenen Tanzgesellschaft zum Beispiel entweicht der Teufel durch den Rauchfang und die Tänzer "hamd se nimma hoidn kinnt vor lautan Gschdang". Bei anderer Gelegenheit wird er mit Weihwasser vertrieben und "hod no recht vej Gschdang hintalossn" oder er "duad fuat mit Duft und Deife". Hier schließt sich der Kreis gewissermaßen mit dem Ausruf "Pfui Deife!".

Hintergrund für Teufelserzählungen ist sehr häufig ein erzieherischer Aspekt, der Teufel zeigt sich nämlich vor allem dann, wenn etwas – vornehmlich durch die Kirche – Verbotenes getan wird: Kammerfensterln an einem Feiertag wie Allerheiligen, Grasmähen, Schatzsuchen oder sonstige Arbeiten während der Fronleichnamsprozession, Tanzen, Kartenspielen oder Eisstockschießen in der Mettennacht. Wer sich durch solcherlei Tätigkeiten davon abhalten lässt, an den Feiertagen den Herrgott zu ehren, sollte damit rechnen, dass ihm der Teufel auf die Finger klopft. Besonders deutlich kommt die pädagogische Komponente der Teufelserscheinung bei einer Begebenheit mit einer Bäuerin zum Ausdruck, die am Heiligen Abend Krapfen backt, anstatt die Christmette mitzufeiern: "Schreit aa ned da Deife vom Raufang aussa: Oide Frettn, geh int Mettn, boch deine Kropfan noch da Mettn!"