Autor Thema: von Summascheckn, Suial und Rifan  (Gelesen 2305 mal)

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von Summascheckn, Suial und Rifan
« am: 12. Dezember 2015, 07:08:43 »



"Summascheckn" also Sommersprossen
"Ich bin ja so verschossen in deine Sommersprossen – vom Kopf bis zu den Flossen bist du voll Sommersprossen. So hieß es 1982 in einem Lied der Berliner Band "UKW". Weniger charmant kommt hier die Mundart daher, wenn es um die "Hyperpigmentierung" geht: "Di hod da Miaznkoda ogschissn." Jedoch gibt es auch neutralere Bezeichnungen für die Sommersprossen.
Nördlich der Donau sind es größtenteils die "Summascheckn", ebenso im östlichen Drittel südlich der Donau (zum Beispiel Aldersbach, Pocking, Wittibreut). Die Herkunft dieses Ausdrucks ist schnell erklärt: Mittelhochdeutsch "schecke" meint "fleckig", es handelt sich also um Flecken auf der Haut, die durch vermehrte Sonneneinstrahlung im Sommer verursacht werden.

Federkleid des Kuckucks inspiriert zum Namen
In dem kleinen Gebiet nördlich der Donau und östlich der Ilz (Grainet, Büchlberg, Breitenberg, Wegscheid) hat sich die Mundart vom getupft wirkenden Schwanzfederkleid des Kuckucks inspirieren lassen und den Ausdruck "Guckatscheckn" kreiert. Im mittleren Drittel südlich der Donau (zum Beispiel Haunersdorf, Malgersdorf, Dornwang) ist das Simplex "Scheckn" für die Sommersprossen gebräuchlich, aber auch die Zusammensetzung "Miaznschis". Im westlichen Teil südlich der Donau findet man überwiegend "Summamial". J.A. Schmeller stellt im Bayerischen Wörterbuch hier eine Verbindung her zum schottischen "mirles", das Masern, also eine ebenfalls fleckige Veränderung der Haut, meint.

Während Sommersprossen mittlerweile so "in" sind, dass die Kosmetik-Branche sogar Möglichkeiten zu ihrer künstlichen Erzeugung anbietet, kämpft vor allem der jugendliche Mensch mit ganz anderen Hautveränderungen, nämlich den Pickeln.

Überall in Niederbayern hat man "Wimmal", dieser Ausdruck kommt vom mittelhochdeutschen "Wimmer" und umfasst in dieser Sprachperiode die Bedeutung "Auswuchs, Bläschen auf der Haut, Warze". Im gesamten niederbayerischen Gebiet ist auch die Bezeichnung "Midessa/Mibfressa" verbreitet. Laut Duden handelt es sich dabei "nach dem älteren Volksglauben um Würmer, die besonders Kindern in die Haut gezaubert worden seien und von der Nahrung mitäßen".

Nördlich der Donau im oberen Bayerischen Wald (zum Beispiel Lindberg, Zachenberg, Prackenbach) und südlich der Donau im westlichen Teil Niederbayerns (zum Beispiel Pfeffenhausen, Biburg, Obereulenbach) sagt man zu den Pickeln auch "Suil" oder "Suial", was auf mittelhochdeutsch "Siure" für "Milbe, Krätzmilbe" zurückgeht. Die spätere Bedeutung "Pickel" hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. In diesen Gebieten ist auch der Ausdruck "Binkn" oder "Binkl" gebräuchlich. Im Bayerischen Wörterbuch von Schmeller findet man dazu "Pinken" für "Blatternarbe". Im Osten Niederbayerns kommt auch vereinzelt "Engalen", wie hochdeutsch "Engerling" vor (mittelhochdeutsch "Engerlinc" mit der Bedeutung "Kornmade"), was sich in das Bedeutungsfeld "Mitesser" einfügt. Der große Bruder des Pickels, der Furunkel, ist in der bairischen Mundart der "Oas" (Mehrzahl "Oess") und geht auf mittelhochdeutsch "Eiz" für "Geschwür, Eiterbeule" zurück. Der Ausdruck ist in ganz Niederbayern und weit darüber hinaus verbreitet.

Hatten wir es bisher mit Veränderungen der Haut zu tun, die sozusagen "von innen" kommen, handelt es sich im Folgenden um Veränderungen, die durch äußere Einflüsse hervorgerufen werden. Schrunden zum Beispiel entstehen durch die Einwirkung von Nässe und Kälte. Die trockenen, äußerst schmerzhaften Risse in der Haut werden in Niederbayern hauptsächlich mit zwei ganz unterschiedlichen Bezeichnungen benannt.

Südlich der Donau sind es größtenteils die "Schrundn". Bereits im Mittelhochdeutschen gab es den Ausdruck "Schrunde" in der Bedeutung "Riss in der Haut". Nördlich der Donau sowie in einem kleinen Gebiet südöstlich der Donau kennt man die Schrunde als "Glu", "Glufd", in der Mehrzahl als "Gli", "Glifd". Die Entwicklung dieses Ausdrucks aus früheren Sprachstufen ist nicht eindeutig nachvollziehbar, mutmaßlich besteht aber ein Zusammenhang mit mittelhochdeutsch "klieben" ("spalten") bzw. "Kluft" ("Spalte").

Wortbedeutung stammt teils aus 11. Jahrhundert
Die spezielle Bedeutung für den "Riss in der Haut" hat sich erst in späterer Zeit herauskristallisiert. Vereinzelt wird die Schrunde auch als "Bamhackl" bezeichnet. Schmeller gibt dazu im Bayerischen Wörterbuch neben der Bedeutung "Specht" auch "ein Übel an den Beinen oder Händen, wenn sie durch Nässe und Kälte und darauf folgender plötzlicher Wärme Hautrisse und kleine Schuppen bekommen" an.

Während die Schrunde sich nur zögerlich verschließt, bildet sich bei oberflächlichen Hautverletzungen recht rasch eine schützende Kruste. Mundartlich ist das Gebiet Niederbayern auch für diesen Sachverhalt zweigeteilt: Nördlich der Donau dominiert ganz klar die "Raue", die lautlich als "Rauan", "Raun" oder "Ran" (dunkles "a") umgesetzt wird. Sie lässt sich herleiten vom mittelhochdeutschen "Riude, Rude" für "Räude, Schorf". Südlich der Donau ist fast ausschließlich die "Rufe" vertreten in Form von "Rufa", "Rufan" oder "Rifan". Der mittelhochdeutsche Ursprung ist "Ruf, Rufe" und hatte schon seit dem 11. Jahrhundert die Bedeutung "Schorf".