Autor Thema: Auf Sisis Spuren in Budapest  (Gelesen 437 mal)

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Auf Sisis Spuren in Budapest
« am: 21. September 2016, 07:34:06 »
Sie hat Kultstatus


Blick auf Budapest und das Parlament an der Donau
In Ungarn, wo Elisabeth die vermutlich glücklichsten Jahre ihres Lebens verbrachte, genießt die schöne Monarchin noch immer Kultstatus. Wir machten uns auf Spurensuche durch das Land der Magyaren.
"Viel denke ich an Dich, während des langen Frisierens, während der langen Spaziergänge und tausendmal am Tag!" Diese zärtlichen Zeilen schrieb Sisi nicht etwa an den Kaiser oder einen ihrer zahlreichen Verehrer - sie schrieb an Ida Ferency. Das unbekannte Mädchen aus Kecskemet holte die Kaiserin 1864 zu sich.

Eine geheimnnisvolle Freundin
Bis heute bleibt es jedoch geheimnisvoll, wie das vor sich gegangen sein soll: Der strenge Wiener Hof hat eine Liste mit sechs Namen von ungarischen Aristokratinnen zusammengestellt, die allesamt nach harten Kriterien ausgewählt waren. Als die Liste der Kaiserin vorgelegt wurde, soll sich plötzlich ein siebenter Name - von fremder Hand eingetragen - darauf befunden haben: jener von Ida Ferency. 34 Jahre lang - bis zum Tod der Kaiserin - sollte sie deren innige Vertraute sowie loyale Freundin sein. Sie brachte ihr perfektes Ungarisch bei und unterstützte ihre politischen Ambitionen und sie verfügte über Verbindungen zu den ungarischen Liberalen, die für den "Ausgleich" arbeiteten.

Ex- Revolutionär als glühender Verehrer
Wir spazieren über die belebte Andrássy- Straße, benannt nach dem besten Freund und glühenden Verehrer der Kaiserin, Graf Gyula Andrássy. Als Revolutionär zum Tode verurteilt, mutierte er zum höchsten Politiker Ungarns während der k. und k. Monarchie. Durch dessen Hand wurde Kaiser Franz Joseph am 8. Juni 1867 schließlich zum König von Ungarn gekrönt. Elisabeth hielt man die Krone - nach altem Brauch - über die rechte Schulter. Sie trug - am vermutlich wichtigsten Tag ihres Lebens - eine weiße, mit Silberfäden durchwobene Traumrobe aus dem damals teuersten Modehaus der Welt, dem Pariser La Maison Worth, die einer ungarischen Tracht nachempfunden war. Sisi fuhr im prunkvollen, goldenen Imperialwagen vor - von der Burg zur Krönung. Während der Zeremonie in der Matthiaskirche erklang Franz Liszts "Krönungsmesse". Er selbst war anwesend - durfte aber nicht dirigieren.


Dieser Gedenkstein erinnert ebenfalls an Elisabeth.

Feiern auf Schloss Gödöllö
Die Magyaren - allen voran Andrássy - wussten, was sie Elisabeth, der politischen Fürsprecherin Ungarns schlechthin, zu verdanken hatten. Und sie erfüllten der begeisterten Reiterin einen Herzenswunsch: Sie schenkten ihr Schloss Gödöllö, ein romantisches, barockes Anwesen, das Anton Grassalkovich I., ein enger Vertrauter von Maria Theresia, einst errichten ließ. Sisi liebte Gödöllö, wo sie unbeschwert fernab vom verhassten Hof in Wien leben konnte, Gäste - darunter auch Gaukler, Künstler und Zirkusartisten - in den 74 Hektar großen Park einlud, die besten Reiter Europas, mit denen sie durch die Wälder rund um Gödöllö galoppierte. Über 2000 Nächte soll die schöne Monarchin hier verbracht haben - mehr als in Schönbrunn.


Hier auf Schloss Gödöllö verbrachte Elisabeth mehr Zeit als in Schönbrunn.

Kindstaufe in der Ofener Burg
Aber auch Sisi machte den Magyaren ein "Geschenk": Zehn Monate nach der Krönung, im April 1868, brachte sie in Budapest ihre Tochter Marie Valerie zur Welt, das ungarische Kind. Die Taufe in der Ofener Burg wurde zu einem großen Fest der Magyaren, bei dem natürlich auch Ministerpräsident Gyula Andrássy erschien. Die kleine Valerie erhielt bald den Beinamen "die Einzige" - und natürlich eine ungarische Amme. Sisi kümmerte sich mit übergroßer Liebe. Sagte einst: "Jetzt weiß ich, was für eine Glückseligkeit ein Kind bedeutet - jetzt habe ich schon den Mut gehabt, es zu lieben und bei mir zu behalten."

Mit Andrássy pflegte Sisi lebhafte Korrespondenz - die stets über ihre treue Freundin Ida Ferency lief. Und gelaufen sind die beiden Damen durch ganz Buda, wenn es darum ging, den Lieblingsplatz der Kaiserin, ein Aussichtsplateau auf der höchsten Erhebung der Stadt (530 Meter), zu erklimmen. Heute steht hier - zur Erinnerung - ein Turm, der nach Elisabeth benannt ist. Zur Erinnerung wurde auch die Erzsébet- Brücke errichtet, der 7. Bezirk Elisabethstadt genannt, ein Teil des Ringes ebenso, sowie Statuen aufgestellt.


Auch eine der zehn Budapester Brücken ist nach Elisabeth benannt.

Elisabeth liebte Esterházy- Torten
"Bei uns in Ungarn ist Sisi noch immer Kult - der Mythos um die schöne Monarchin lebt", erzählt Fremdenführerin und Freundin Eva Kleyer, die uns durch ihre Heimatstadt Budapest begleitet. Zeit für einen Zwischenstopp bei der Traditionskonditorei Gerbaud, die 1858 gegründet wurde - und k. u. k. Hoflieferant war. Stuck- Decken im Rokoko- Stil, mächtige Kronleuchter, Marmorböden. Hier nahmen nicht nur Franz Liszt oder Ferenc Deak ihren Kaffee ein - auch Sisi und Ida konnte man bisweilen im Salon antreffen. Angeblich ließ sich die sonst so figurbewusste Kaiserin in der Konditorei nicht nur einmal eine Esterházy- Torte schmecken - vielleicht bevor sie in die Budapester Oper eilte und über einen eigenen Eingang in ihrer persönlichen Loge Platz nahm.

Prunkvolles Opernhaus
Ein Opernhaus, das Kaiser Franz Joseph auf großzügige Weise mit finanzierte - allerdings mit der Auflage: Es darf nicht größer sein als die Oper in Wien! Was die Ungarn auch erfüllten. Allerdings war die Innenausstattung derart prunkvoll, dass es dem Monarchen bei der Eröffnung im September 1884 die Sprache verschlug. Er hat das Gebäude daraufhin nachweislich nie wieder betreten!


Die prunkvolle Budapester Oper

Weiter geht unsere Reise auf Sisis Spuren und führt uns ins Nationalmuseum. Dort sehen wir Schuhe der Kaiserin, einen Gürtel - der die 50 Zentimeter schmale Taille der schönen unglücklichen Monarchin einst betonte. Und wir sehen die schwarze Jacke, die Erzsébet bei ihrer Ermordung 1898 in Genf getragen hat.

Ida Ferency erwies ihrer verehrten Herrin übrigens einen letzten Liebes- Dienst. Denn, so die Historikerin Katrin Unterreiner: "Ida hat in Budapest nach dem Tod der Kaiserin das erste Sisi- Museum der Welt gegründet. Dieses wurde jedoch im 2. Weltkrieg komplett zerstört. Zahlreiche Exponate der schönen Monarchin gingen der Nachwelt damit für immer verloren."


Dieser Gedenkstein erinnert ebenfalls an Elisabeth.

INFO:
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE:
Ungarisches Tourismusamt in Österreich, 01/585 20 12- 10, www.ungarn- tourismus.at
Ungarisches Tourismusamt für Deutschland und die Schweiz, 030 / 24 31 460, www.ungarn-tourismus.de/