Autor Thema: D: Eltern hielten Sohn über 30 Jahre lang gefangen  (Gelesen 743 mal)

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D: Eltern hielten Sohn über 30 Jahre lang gefangen
« am: 06. Oktober 2016, 07:02:22 »
Von Polizei befreit


Der Fall macht fassungslos: Ein heute 43 Jahre alter Mann aus Bayern soll über 30 Jahre lang von seinen Eltern von der Außenwelt isoliert worden sein. Am Dienstag wurde der Mann von der Polizei nach einem Hinweis befreit und anschließend ins Krankenhaus gebracht. Laut den Beamten war der Mann völlig verstört und unterernährt, verkotet und ungepflegt, die Nägel an seinen Zehen waren überlang. Gegen die Eltern wurden Ermittlungen wegen Körperverletzung durch Unterlassung und Freiheitsberaubung eingeleitet.
Ob dieser Verdacht haltbar sei, stehe aber noch nicht fest, hieß es. Die Polizei bezeichnete den Fall als "persönliche Tragödie". "Wir wissen noch nicht genau, seit wann der Mann dort ohne ständigen Kontakt zur Außenwelt war und wie konkret das aussah - ob er zum Beispiel die Möglichkeit gehabt hätte, das Anwesen zu verlassen", sagte Polizeisprecher Harald Stadter. Nachbarn sagten gegenüber der "Bild", dass sie den Mann im Haus in der Ortschaft Freienfels im Kreis Bayreuth stöhnen gehört und nur gelegentlich draußen gesehen hätten.



Mutter: "Wollte meinen Sohn immer nur beschützen"
Die Mutter des 43- Jährigen sagte dem "Nordbayerischen Kurier", sie habe ihren Sohn "immer nur beschützen" wollen: "Der hat doch so die Schnauze voll vom ganzen Leben. Er wollte bei uns bleiben. Wenn ich Ihnen erzähle, was wir mitgemacht haben, glauben Sie es doch nicht."

Die Polizeiaktion, als ihr Sohn abgeholt wurde, nannte sie einen "Überfall". Weiter deutete sie an, dass ihr Sohn als kleiner Bub in der Schule gemobbt wurde. Der Mann war als Kind zunächst in die Grundschule gegangen, dann aber als nicht schulfähig eingestuft worden. Danach lebte er nach Angaben der Polizei 20 bis 30 Jahre lang bei seinen Eltern.

Ärzte: 43- Jährigem fehlt "natürliche Sozialisierung"
Der 43- Jährige befindet sich derzeit im Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Derzeit werde geprüft, ob er psychisch krank oder geistig behindert ist, sagte der zuständige Chefarzt dem Bayerischen Rundfunk. Ihm zufolge fehle dem Mann die "natürliche Sozialisierung", die Jugendliche ab dem Teenageralter erleben. Rollenverhalten, zwischenmenschliche Kontakte, Beziehungen, Konkurrenzverhalten in Ausbildung und Beruf - all das habe der Mann demnach nicht erfahren.