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🕊 Hand in Hand für den Frieden & Ger... von Hamzah

⬛🟥🟨 Deutsche Stämme

Begonnen von GeraldZimmer, 14. September 2026, 12:12:42

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Topic keywords [SEO] DeutscheStämme

GeraldZimmer

⬛🟥🟨  Deutsche Stämme


📸 Die kontinental-westgermanischen Sprachregionen (ohne Langobardisch) zur Zeit des Übergangs vom Ostfrankenreich zum Heiligen Römischen Reich (um das Jahr 962)
📸 2: 

Deutsche Stämme ist ein historischer soziologisch-volkskundlicher Begriff aus dem 18., 19. und frühen 20. Jahrhundert. Demnach sei das Volk der Deutschen aus mehreren frühmittelalterlichen Großstämmen entstanden. Man unterscheidet zwischen den ,,Altstämmen", die sich noch vor dem Jahr 1000 herausgebildet hatten, und den ,,Neustämmen", die im Verlauf der hochmittelalterlichen Ostsiedlung nach dem Jahr 1000 entstanden seien.

Dieses ,,Stammes"-Konzept gilt heute als historisch ungenau und wird deshalb als Forschungsproblem begriffen. Die deutschen Stämme seien in ihrer Bedeutung im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts überschätzt worden. Der Stellenwert, der ihnen tatsächlich zukommen sollte, bedarf demnach der weiteren Untersuchung.

Die ,,deutschen Stämme" des Mittelalters werden gegenwärtig eher als ,,Völker" aufgefasst, um die Vorstellung einer allzu ,,primitiven" Struktur in Politik und Gesellschaft zu vermeiden. Damit verbunden ist jedoch das Problem, dass die lateinische Terminologie des Frühmittelalters sich von modernen Übersetzungen in ihrer Bedeutung unterscheidet. Die heutigen deutschen Begriffe ,,Stamm", ,,Nation" und ,,Volk" mit den lateinischen Entsprechungen gens, natio und populus waren in ihren frühmittelalterlichen Ausprägungen anders zu verstehen.

Die Vorstellung eines ,,deutschen Volkes", das aus ,,deutschen Stämmen" bestehe, entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Noch 1808 hatte Karl Friedrich Eichhorn in seiner Deutschen Staats- und Rechtsgeschichte von den ,,deutschen Völkern" gesprochen. Die Literatur des 19. und frühen 20. Jh. verwendet den Begriff der ,,deutschen Stämme" dann völlig selbstverständlich. Im Jahr 1810 schrieb Johann Gottfried Seume, dass Hass und Spaltung in den deutschen Stämmen herrsche und nur die Einheit das Verderben des deutschen Volkes abwenden könne.

Die Einigkeit des deutschen Volkes ,,in seinen Stämmen" beschwor auch Friedrich Christoph Dahlmann in seiner Waterloo-Rede 1815. Am 28. April 1919 hielt Reichspräsident Friedrich Ebert eine Rede in Stuttgart, bei der er im Blick auf die Tendenz zur Zentralisierung des Deutschen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg folgende Worte fand: ,,Die Vereinheitlichung des Reiches und die Wahrung der Stammeseigenschaften in unseren deutschen Gauen sind an sich keine Gegensätze. Sie lassen sich sehr wohl vereinen." Die Weimarer Verfassung von 1919 beginnt mit den Worten: ,,Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich zu erneuern und zu festigen".

Der Nationalsozialismus modifizierte die Theorie der deutschen Stämme gemäß seiner Rassentheorie und verlangte im Rahmen seiner antisemitischen Politik ab 1933 – zuerst von Beamten, später von weiten Bevölkerungskreisen – einen ,,Ariernachweis". Da Angehörige der jüdischen Religion nicht zu den ,,deutschen Stämmen" gezählt wurden, mussten die Betroffenen durch christliche Tauf- und Heiratsurkunden nachweisen, dass ihre Eltern und Großeltern – bei SS-Mitgliedern zurückreichend bis 1800 oder sogar 1750 – keine Juden waren. Das Reichsbürgergesetz 1935 legte fest, dass es ,,deutschen oder artverwandten Blutes" bedurfte, um im Deutschen Reich die ,,vollen politischen Rechte" zu besitzen.

Carl Erdmann bezeichnete 1935 die Baiern, Schwaben, Franken, Thüringer, Sachsen und Friesen als die deutschen Stämme, die zusammen das deutsche Volk bildeten.

Der Historiker Hans Kurt Schulze führte 1985 aus, dass das deutsche Volk auf der Grundlage von Stämmen erwachsen sei, die zwar im Laufe des Mittelalters als politisch-organisatorische und rechtliche Verbände an Gewicht verloren hätten, aber trotz großer Wandlungen als Volksgruppen im Rahmen der deutschen Nation erhalten geblieben seien. Auch die heutige Geschichtswissenschaft bedient sich noch immer des Begriffs der ,,Deutschen Stämme". Jeder dieser sogenannten Stämme bildet jedoch einen Sonderfall, der hinsichtlich der Ethnogenese kritisch zu hinterfragen ist. In seinem Werk Deutschland – Frankreich: die Geburt zweier Völker sprach Carlrichard Brühl 1995 hingegen eher von Völkern als von Stämmen.

Die Einteilung der niederländischen und deutschen Dialektgruppen folgt vielfach Bezeichnungen, die den Namen der deutschen Stämme entsprechen. So werden traditionell fränkische, alemannische, thüringische, bairische und niedersächsische Sprach- und Dialektgruppen unterschieden.

In seinem populären Buch Bildung. Alles, was man wissen muß aus dem Jahr 1999 führt der Autor Dietrich Schwanitz die sechs deutschen Stämme einschließlich der Friesen auf. Im politischen Sprachgebrauch findet der Begriff seit 1945 dagegen kaum noch Verwendung. Eine Ausnahme bilden hier Bayern und Baden-Württemberg. In Bayern wird im Bezug auf die drei Landesteile Altbayern, Franken und Schwaben von den ,,bayerischen Stämmen" gesprochen. Übergreifend werden Bewohner Baden-Württembergs landläufig als Schwaben bezeichnet. Wegen der großen Zahl von zwei Millionen aufgenommener sudetendeutscher Kriegsvertriebener wurde 1962 die Schirmherrschaft über die sudetendeutsche Volksgruppe als ,,Vierter Stamm Bayerns" vom Freistaat Bayern beurkundet.

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⬛🟥🟨:
⬛🟥🟨: Altstämme/Völker
        > Baiern
        > Schwaben
        > Franken
        > ----
        > Sachsen
        > Friesen

⬛🟥🟨: Neustämme
~~~~~~~~~~~~~~~~~
Gerald Zimmer
 

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