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Freudig verkünden Medien Moskaus «Zahlungsausfall». Aber ist Russland ...

Begonnen von Liam, 30. Juni 2022, 12:26:30

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Liam

Freudig verkünden Medien Moskaus «Zahlungsausfall». Aber ist Russland wirklich pleite?

Eine der ersten Lebensweisheiten, die mir als Kapitalanleger beigebracht wurden, lautete: «Staaten gehen nicht pleite. Jene, die ihnen Geld geliehen haben, aber sehr wohl!»

Wenn die Schulden eines Unternehmens dessen Aktiven übersteigen, dann gilt es als pleite. Die Eigentümer werden zur Nachfinanzierung aufgefordert, oder es kommt zu Übernahmen und Liquidationen.

Anders bei Staaten. Selbst wenn die Schulden die Aktiven, seien es Infrastrukturen oder Beteiligungen an Unternehmen, übersteigen, gelten sie nicht zwangsläufig als pleite. Die Investoren vertrauen darauf, dass die Steuerzahler für die Staatsschulden geradestehen. Aber es kommt nun immer häufiger vor, dass die Staatsschulden ein Ausmass erreichen, wo man ernsthaft bezweifeln muss, ob die Steuerzahler die Schuldenberge je werden amortisieren können.

Geraten Staaten in Zahlungsverzug, läuft das Drehbuch anders ab als im Unternehmenssektor. Staaten können weder übernommen noch liquidiert werden. Sie können als Gegenleistung für Liquiditätshilfen zwar gezwungen werden, Staatsunternehmen zu privatisieren, aber oft sind diese derart marode und überschuldet, dass niemand einsteigen will. Deshalb kommt Plan B zum Zuge.

Die Gläubiger, hauptsächlich Banken und Anleihen-Investoren, werden Totalausfälle, Schuldenschnitte und Zinsreduktionen, Laufzeit-Verlängerungen, Zinsmoratorien hinnehmen müssen. Es kann zu gefährlichen Kettenreaktionen kommen. Banken aus Frankreich, Italien, Österreich und den USA waren Ende 2021 am stärksten mit Krediten in Russland engagiert.

Im Falle von Russland ist vorerst einmal festzustellen, dass Russlands Staatsschulden 2022 im Verhältnis zum BIP mit 17 Prozent (Quelle: IWF April 2022) wesentlich geringer sind als in den westlichen Industrieländern. Die Ertragsbilanz ist seit vielen Jahren im Plus. 2022 wird ein Rekordüberschuss erwartet. Russland verfügt über viele Staatsbeteiligungen im Energie- und Rohstoff-Sektor, die Einnahmen aus dem Ausland in harter Währung generieren.

Die Währungsreserven sind seit dem Höchststand im Dezember 2021 bis Mitte Juni erst um 47,2 Milliarden US-Dollar auf 582,3 Milliarden Dollar gefallen. Davon dürften jedoch rund 300 Milliarden im Westen blockiert sein. Dennoch, das Land ist nicht ausschliesslich von den Steuereinahmen abhängig.

Die Embargos und das Zurückfahren der Energiebezüge aus dem Westen wirkten sich bis anhin noch nicht besonders negativ auf die Staatsfinanzen aus, auch wenn das Wunschdenken westlicher Medien dies glaubhaft machen will. Die höheren Energie- und Rohstoffpreise gleichen die reduzierten Mengen mehr als aus.

Die Umwege im Zahlungsverkehr über Indien und China sind nun etabliert und funktionieren. Aber die Bedienung von ausländischen Staatsschulden wird durch den Rauswurf aus dem Zahlungssystem Swift sichtlich erschwert. Auch die Arretierung russischer Notenbank-Reserven im Ausland und das Goldimportverbot dienen dazu, Russland in Zahlungsverzug zu drücken. Aber vom Westen verursachte Zahlungsverzögerungen bedeuten noch lange keine Insolvenz.

Der Versuch Russlands, die Zinszahlungen auf seinen Ausland-Anleihen in Rubel statt wie vertraglich festgehalten in Fremdwährungen zu bezahlen, kann durchaus als Liquiditätsengpass gewertet werden. Rating-Agenturen prüfen denn auch, ob sie Zahlungen in Rubel als «technischen Zahlungsausfall» einstufen sollen, womit die russischen Anleihen auf das «Ramsch-Niveau» fallen würden.

Die Problematik von Default-Feststellungen besteht darin, dass ein weiterer grosser Teil der russischen Schulden aufgrund der Vertragsklauseln ebenfalls sofort zur Rückzahlung fällig wird. Etwa 40 Milliarden Dollar russischer Staatsschulden lauten auf US-Dollar oder Euro, wovon wiederum rund die Hälfte im Ausland gehalten wird.


ZitatMeinungen der Weltwoche-Leser:

dj
30. Juni 2022 um 11:29 Uhr
Wenn Russland pleite ist, dann sind Deutschland und die USA schon tot.

gonzo der grosse
30. Juni 2022 um 9:45 Uhr
Und die USA? Die sind faktisch schon seit Jahren Pleite, wenn da nicht die wundersame Geldvermehrung wäre.

beograd
30. Juni 2022 um 8:52 Uhr
Wenn ein Gleubiger technische Tricks anwendet, um Schuldne daran zu hindern, ihm Zinsen zu zahlen, ist das kein Verzug. Das ist nur billige Propaganda. Russland verdient jetzt 2 Milliarden Euro am Tag, und dieser 110 Millionen Dollar Zinsen wurden im Mai 2022 längst bezahlt. Das haben auch damals auch die Ratingsagenturen notiert. Aber die Medien leben von Panik und Manipulation, wie jetzt auch bei Weltwoche Artikel. Der "Gleubiger" soll lieber, nachdenken wie lange er den Bankrot schieben kann.

Der Michel
30. Juni 2022 um 8:48 Uhr
Danke für die Klarstellung. Was wir derzeit von den Mainstream-Medien und dem Staatsfunk zu hören kriegen ist dermaßen lächerlich und verlogen, dass es einer gehörigen Portion Unwissenheit und Denkverweigerung bedarf, um den Unsinn zu glauben. Leider scheint das aber in den Völkern der "westlichen" Welt tatsächlich zu grassieren, denn was Zeitgenossen so von sich geben ist wirklich unfassbar...

Theodor Rickli
30. Juni 2022 um 10:12 Uhr
Tja gerdi, da ist Russland natürlich mit 200 Mrd. total blöd dran, wenn man bedenkt dass z.B. die USA mit 17'000 Milliarden im Ausland in der Kreide steht!
Und ja Zeichen der Stärke...Teuro/Dollar?!? Wünsche weiter guten tiefen Komaschlaf!

Chrüttlibuur
30. Juni 2022 um 7:34 Uhr
Jungen Erwachsenen kann man solche Märchen erzählen. Russland ist so reich an Bodenschätzen. Russland geht nicht pleite. Wir haben die russischen Banken von den internationalen Möglichkeiten sanktioniert. Ergo kann Russland kein Schotter in den Westen überweisen. Dank der vorausschauenden Intelligenz der Frauen von der Leyen und Lagarde. Gefolgt von der "ich stottere keine zwei Sätze" Annalenchen. Wer hat eigentlich das Sanktion- Brainstorming gemacht? Kindergärtner?

oazu
30. Juni 2022 um 7:32 Uhr
Ist nicht vielmehr der Kreditgeber (politisch) "pleite" als ein Schuldner, von dem Kreditgeber seine pünktlichen Zinszahlungen aus politischen "Sanktionierungs"-Gründen nicht mehr entgegennimmt, um dann in der Welt herum zu tropeten, dieser Schuldner bediene seine Zins- und Rückzahlungen nicht mehr um in technisch pleite zu bezeichnen. Vor allem dann, wenn dieser Schuldner riesige Rohstofflager hat, von denen Kreditgeber weitgehend abhängig ist, ohne die dieser wirklich pleite gegen wird.

x
30. Juni 2022 um 9:44 Uhr
Der "Schuldner" steht vor der Bank mit einem riesigen Sack voller Geld, um seine Schulden zu begleichen. Die Bank lässt ihn aber nicht herein und trompetet laut herum, dass der Schuldner pleite sei. Das Kuriose dabei ist, dass man sich tatsächlich einbildet, dass das dem "Schuldner" schadet und das Vertrauen in die Bank steigert.

Theodor Rickli
30. Juni 2022 um 10:19 Uhr
Und zudem....... was solche """Rating"""-Agenturen taugen...wissen wir ja nicht erst seit Leman und dem Mutti-Lieblings-Kind Wirecard!
********************
Liam Clarence
  > Redaktion

"Nur wer gegen den Strom schwimmt gelangt zur Quelle!
Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom!"


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