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ZitatHintergrund: Lehrerstreiks
Vergangene Woche streikten in Aden große Teile der Lehrerschaft. Sie errichteten Sitzblockaden, um so auf das grassierende Elend innerhalb ihres Berufsstands aufmerksam zu machen und die Behörden zu drängen, endlich wieder reguläre Gehaltszahlungen durchzuführen. Dies berichtete der an den Protesten teilnehmende Lehrer Ejjad Alsrori am Sonntag gegenüber junge Welt. Aden ist nach Hodeida die zweitwichtigste Hafenstadt des Landes und die größte Stadt in den vollständig von hadiloyalen Truppen kontrollierten Landesteilen. Hadi-Anhänger versuchten, die Sitzblockaden mit Gewalt auseinanderzutreiben, Schüsse fielen. Seit Monaten, oft Jahren, bekommen die Lehrerinnen und Lehrer in Aden nur einen Bruchteil ihres regulären Gehalts ausgezahlt; viele bekommen gar keinen Lohn. Alsrori erhält nach eigenen Angaben das Äquivalent von drei US-Dollar pro Monat ausgezahlt, während laut dem Vergleichsportal salaryexplorer.com das Durchschnittsgehalt eines Lehrers im Jemen 2022 bei umgerechnet rund 100 US-Dollar liegen soll.
In Aden kam es in der Vergangenheit mehrfach zu Streiks, doch sind ausbleibende Löhne von Staatsbediensteten auch in den von den Ansarollah kontrollierten Gebieten nicht selten. Zuletzt gab es aus diesem Grund im Oktober 2017 landesweit Lehrerstreiks, von denen vier von fünf der knapp 16.000 Schulen im Land betroffen waren. Millionen Menschen sind von den Gehältern öffentlich Angestellter existentiell abhängig, weshalb die ausbleibenden Zahlungen einer der Hauptgründe für die historische Hungersnot im Jemen sind. Angebotsseitig ist die von der saudischen Kriegskoalition implementierte Seeblockade der Hauptgrund für den Hunger, während nachfrageseitig der präzedenzlose Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel in diesem Jahr die Kaufkraft weiter einbrechen lässt. Für viele Staatsbedienstete ist ein Überleben ohne finanzielle oder humanitäre Hilfen aus dem Ausland unmöglich. »In Aden verhungern die Lehrer«, so Alsroris vernichtendes Urteil.
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