⚽ Captainbinde der Heuchelei: Europäische Fussball-Millionäre wollen Katarern vorschreiben, wie sie zu leben haben – und verstossen damit gegen jene Werte, die sie selber für sich in Anspruch nehmen
(http://sputnik-magazin.de/images/Sputnik2/WM-Heuchelei.webp)
Die meisten Profi-Fussballer gehören normalerweise nicht zu den Menschen, die sich gross für die Einhaltung von Völkerrechten starkmachen. Auch die Anliegen von Homosexuellen, Behinderten und der Transgenderbewegung stehen auf ihrer Prioritätenliste kaum zuoberst.
Mit der WM in Katar hat sich dies quasi über Nacht geändert: Plötzlich gehen die Fussball-Millionäre für Randgruppen auf die Barrikade und tragen quasi die neukolonialistische Sichtweise in den Nahen Osten – zumindest solange es ihnen selber nicht wehtut.
Mit einer Kapitänsbinde mit der Aufschrift «One Love» sowie den Regenbogenfarben wollten unter anderem die Auswahlen Deutschlands, Englands, Hollands und der Schweiz für Werte wie Inklusion, Gleichstellung und Integration einstehen.
Weil dies die katarischen WM-Veranstalter aber als Kritik am eigenen Land verstehen könnten, hat die Fifa nun die Notbremse gezogen und das entsprechende Stück Stoff verboten. Wer sich dem widersetze, dem drohe eine Verwarnung, hiess es. Grund: Verstoss gegen die offizielle Kleiderordnung. Im schlimmsten Fall hätte dies bedeutet, dass der Schweizer Kapitän Granit Xhaka spätestens im dritten Spiel gesperrt gewesen wäre.
Wäre.
Kurz vor Anpfiff des Spiels zwischen England und dem Iran am Montag um 14 Uhr war klar: Die Captains der sieben betroffenen Nationen verzichten auf die Aktion. Der Druck der Fifa war zu gross geworden.
Wenn am 18. Dezember in Doha der WM-Final gespielt wird, dürfte niemand mehr von dieser Episode sprechen. Doch vorderhand bleibt ein schaler Nachgeschmack.
Oder mit anderen Worten: Die Armbinde der Scheinheiligkeit hat die Protagonisten an der WM demaskiert. Sie wollen den Gastgebern vorschreiben, wie sie zu leben haben – und verstossen damit gegen jene Werte, die sie selber für sich in Anspruch nehmen: Anstand, Respekt und Integrität.
Quelle: Die Weltwoche (https://weltwoche.ch)